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"Samson"-Brauch soll Weltkulturerbe werden
 
Die Umzüge mit dem Riesen "Samson" und zwei Begleit-Zwergen sind ein beliebtes Schauspiel im Lungau und in der Steiermark. Diese in ähnlicher Form auch in den Benelux-Ländern, Spanien und Sizilien bekannte Tradition stammt aus dem Spätmittelalter, als biblische Helden zu Fronleichnam herumgetragen wurden. Im Lungau gibt es noch zehn Umzugsriesen, in der Steiermark zwei. Damit diese Tradition erhalten bleibt, stellte die Lungauer Volkskultur nun einen Antrag auf Aufnahme des Samson in die UNESCO-Liste für immaterielles Kulturerbe. Eine Entscheidung darüber fällt im Herbst.
Seine Glanzzeit erlebte der Riese mit dem Kriegerhelm auf dem Kopf im Hochbarock. Er verkörpert die alttestamentarische Figur des Samson, drittletzter "Richter" Israels, und stellt symbolisch den Kampf der Juden gegen die Philister dar. Gemäß der biblischen Mythologie erschlug Samson mit dem Unterkieferknochen eines Esels bei Lehi tausende Philister - deshalb hat der Lungauer Samson auch einen Kieferknochen bei sich.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts verbot die Kirche das Samsontragen, weil die Prozessionen zu Schauspielen auszuarten drohten. "Doch das Lungauer Volk ließ sich das nicht nehmen. Der Samson hat sich auch deshalb gehalten, weil wir geografisch relativ abgeschlossen sind", erklärte Anita Kandler vom Tourismusverband Tamsweg.
Der 6,20 Meter große und 105 Kilogramm schwere Samson im Tamsweg ist seit 1635 dokumentarisch belegt und damit der älteste im Lungau. Der kräftige Bursche, der ihn trägt, muss ein Junggeselle sein, genauso wie die vier Träger, die ihn beim Stehen abstützen, und jene Männer, die in das Zwergenpaar schlüpfen. Sie stehen dem Riesen als Fruchtbarkeitssymbole zur Seite. "Samsons Gewand wird alle 15 bis 20 Jahre erneuert, das Aussehen bleibt aber unverändert", schilderte Peter Schitter, Obmann der Samson-Gruppe. Bis zu sechsmal im Jahr schreitet der große Held zu Fronleichnam oder bei anderen Anlässen - wie im Sommer das Waldfest - vom Marktplatz weg durch die Gassen und tanzt gelegentlich auch einen Walzer.
"Der Brauch ist in der Bevölkerung fest verwurzelt. Wir wollen, dass er so erhalten bleibt, wie wir ihn von unseren Vorgängern übernommen haben. Deshalb haben wir den Antrag an die UNESCO gestellt. Touristisch erwarten wir uns keinen Vorteil daraus. Auch wenn es uns freut, dass viele Gäste auch wegen der Umzüge zu uns kommen", betonte der Lungauer Volkskultur-Obmann Eduard Fuchsberger.
 
 

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